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Es ist das ständige Gefühl nicht zu reichen, nicht gut genug zu sein.
Solang ich mich erinnern kann, steht mein Perfektionismus mir immer im Weg.
Das war schon seit ich 10 Jahre alt war so. In der Grundschule fiel mir noch alles zu. Ich war die Beste. (Ich versuche manchmal mich zu erinnern, ob meine Eltern mir Stolz gezeigt haben. Ich glaube nicht sehr oft. Vielleicht hat mich dieses "die guten Leistungen als selbstverständlich sehen" in diesen Perfektionismus gedrängt.)
Als dann die Oberschule kam, änderte sich alles... Auf der Eliteschule mit extra kurzer Schulzeit, da war ich mit meinem IQ von 124 nichts besonderes mehr, einfaches Mittelmaß... Nicht schlecht, nicht gut. Aber das reicht nunmal nicht mehr in unserer Gesellschaft. Früher war man mit einem Abitur noch der King, es standen alle Türen offen. Heute kriegt man mit einem eigentlich ja ganz gutem NC von 2,2 nicht mal mehr einen Studienplatz ohne Wartezeiten und Umzug in Arschlochstädte.
Wir leben in einer Gesellschaft, in der Ritalin und Burn-Out zum Alltag gehören wie das wechselnde Wetter. Und das alles nur, um am Ende einen mittelmäßigen Job zu bekommen in dem man doch nicht glücklich wird.
Und da sind wir wieder. Beim Mittelmaß.
Ich bin Mittelmaß. Wenn ich etwas mache, ist es nie gut genug, reicht nie aus, ist immer zu wenig - zumindest für mich selbst. Stolz auf Leistungen, die ich erbracht habe? Fehlanzeige.
Ich glaube ich bin wie einer dieser alten Dichter. Die manchmal Jahre an Werken und Tage an einem Satz saßen, bis er so perfekt war, dass sie damit zufrieden sein konnten. Darin finde ich mich ein wenig wieder. Aber diese Art von Perfektionismus wird nicht mehr wertgeschätzt in unserer Gesellschaft. Es geht um Konsum, Konsum, alles ist so schnell. Unsere Wegwerfgesellschaft. Wo bleiben die Künste? Die Wertschätzung für geistigen Reichtum?
Früher waren Philosophen hochangesehene Menschen, heute wird man nach einem Philosophiestudium höchstens Taxifahrer.
Ich kann alles ein wenig, vieles vermutlich auch besser, als manch andere, aber es reicht nie aus. Sobald ich merke, dass ich nicht die Beste bin und auch nicht sein werde, bekomme ich den starken Drang es einfach ganz zu lassen. Alles oder nichts. (Ist das nicht eigentlich ziemlich arm?)
Ich erinnere mich da zB an mein Ballett. Ich habe es geliebt, aber ich war nicht so talentiert, dass ich was damit hätte erreichen können. Also habe ich es wieder gelassen.
Ich erinnere mich an manche Prüfung. Ich habe gelernt gelernt, aber vermutet, dass ich eh nur eine 2 oder 3 schreibe. Also habe ich es gelassen, mich krank schreiben lassen.
Ich erinnere mich an meine Pläne abzunehmen, und wo hat mich mein Perfektionismus hingebracht? In die Uniklinik für Esstörungen, weil ich nicht nur dünn, sondern - wie ja immer - die Beste, also in diesem Fall die Dünnste sein wollte.
Der ewige Perfektionismus regiert mein Leben und lähmt mich in meinem Tun. Und ich kann (und will?) ihn nicht ablegen. Ich werde einen Weg finden müssen, wie ich mit ihm leben kann und vielleicht Nutzen aus ihm schlagen kann. Aber der Weg ist noch lang.
Und ich fange jetzt damit an, indem ich diesen Post veröffentliche, obwohl ich ihn doch schon wieder nur so mittelmäßig finde... (Und die Wahrheit ist, dass ich ihn 5 Min. später doch nochmal überarbeitet habe... :P Was für ein Versagen.)

Hey :)
AntwortenLöschenIch habe momentan eine Blogvorstellung am Laufen.
Vielleicht hast du ja Lust mitzumachen..
Dann rein da:
http://www.picturemily.blogspot.de/2012/10/blogvorstellung.html
Liebe Grüße
Emily von PicturEmily
Du hast meine Gedanken und den Großteil meines Lebens *perfekt* wiedergegeben.
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