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Lieber J.,
eigentlich schreib ich das hier, obwohl ich weiß, dass ich es dir eh nicht schicken werde. Aber irgendwie wollte ich meine Gedanken aufschreiben, weil sie in dieser Nacht so präsent waren.
Unser Gespräch über unsere Gefühle füreinander hat mich sehr beschäftigt, weil ich es sehr krass fand, dass du anscheinend nicht weißt, ob du verliebt bist, weil du nicht weißt, wie es sich anfühlt. Irgendwie denk eich auch, dass ich darüber vielleicht nicht so viel nachdenken sollte, aber ich zerdenke eben immer alles. Und ich frage mich jetzt einfach, ob es ein schlechtes Zeichen ist, dass du anscheinend nicht weißt, was Verliebtsein ist. Ob das wohl bedeutet, dass du es nicht bist? Oder ob du wohl einfach deine Gefühle nicht einordnen kannst....
Aber auf dieser einen Party gab es zumindest ein Schlüsselereignis, was mir gezeigt hat, dass ich wohl sehr verliebt in dich bin!
Ich bin in diesem Club, im Keller... Es ist dunkel und die Musik wummert. Ich bin nüchtern, doch zugleich trunken vor Abenteuerlust, möchte Tanzen in Extase und auf Drogen, möchte Sex haben, wild, hemmungslos. Heute Nacht gehört mir die Welt und ich werde feiern, wie ich es schon lange nicht mehr konnte. Ich lasse mich von der Musik tragen und spüre es, ich kann sie alle haben. Den DJ, der schon zu lange nur mir beim Tanzen zusieht und den ich so anziehend finde, nicht nur weil er gut aussieht, sondern weil mit seinem Dasein als DJ das Abenteuer gerade zu an ihm klebt. Den Typ mit Seemannsmütze, ich hatte ihn in meinem Kopf schon lange Käptn Jack getauft, der seit Stunden immer in meiner Nähe tanzt und dessen Blick ich auf mir ruhend nahezu brennen spüre. Oh ja, ich bin heiß und in dieser Nacht bin ich mir dessen mehr als sonst bewusst. Doch egal, wie sehr es mich der Gedanke reizt, mit einem dieser Fremden zu verschwinden, eine neue Eroberung für meine Vitrine zu machen... Da bist immer nur du. Ich habe diese Gedanken und im gleichen Gedankenzug denke ich an dich, und wie sehr ich dich vermisse und dass ich eigentlich nur dich will und wenn du jetzt hier wärest... Wie schön es wäre mit dir liebestrunken Arm in Arm in diesem Keller zu den Bässen dieses verdammt heißen DJs zu schwanken. Und wenn du jetzt hier wärest, ich würde dir diesen Blick zu werfen, ich hätte nur Augen für dich. Weil du so unglaublich bist, mir den Kopf so verdrehst und mich so an dich bindest, mir Geborgenheit gibst.
Und eigentlich macht es mir Angst, dass du mich so bändigst. Doch es ist gut so. Denn es ist das, was es heißt, verliebt zu sein.

