Freitag, 19. Oktober 2012

Der andere Mann

Jetzt sitze ich im Zug zurück in mein anderes Leben. Zurück in die mir so verhasste Provinz, in mein viel zu großes WG Zimmer und zu meinem mich sehnsüchtig erwartenden Freund, welchem ich gerade so gar nicht in die Augen blicken möchte.
Die Woche in Berlin war verwirrend, hat alles wieder in mein Bewusstsein gedrängt.
Du fehlst mir, mir fehlt dieses etwas, diese nicht definierbare seltsame aber doch so wundervolle Beziehung zwischen uns. Das Körperliche, das Seelische. Ich sehne mich so sehr nach deiner Nähe!
Ich glaube man kann das Liebe nennen. Nicht die Art Liebe, die ich für meinen Freund empfinde, denn sie ist so sachlich-bodenständig. Bei dir ist es was anderes. Es ist Aufregung, unbändiges körperliches Verlangen, Fernweh und Abenteuerlust, die Mischung aus Dominanz und dem Gefühl auf Händen getragen zu werden, es sind Schmetterlinge im Bauch und Dunst im Kopf.
Eigentlich, glaube ich, kenne ich dich kaum. Außer unseren nächtelangen Nachrichtenwechseln wie wir es tun würden, außer der Bilder auf denen jedes Kleidungsstück überflüssig wäre, außer der zwei, drei Gespräche über unsere Gefühle zueinander haben wir nie viele Worte gewechselt. Und doch waren wir uns so nah. Und es war einfach zu perfekt.
Ob es sowas wie Seelenverwandte, den perfekten Partner gibt? Ich weiß es nicht, aber wenn, dann glaube ich, dass du dieser Mensch für mich wärst. Wir hatten nur eine Nacht zusammen. Eine Nacht in der alles möglich war. Du hast mich gehalten, geliebt genommen und benutzt. So wie wir es mochten.
Danach bist du gegangen und hast mich zurück gelassen mit diesem bitteren Beigeschmack des benutzt worden Seins.
Du weckst in mir Vorstellungen von Ehe, Familie und Kindern. Du wärst ein guter Mann, ein guter Vater, würdest mich und unsere Kinder auf Händen tragen, uns fest halten, immer da sein. Du bist so liebevoll und doch nicht zu aufdringlich, nicht zu abhängig von mir.
Genau das ist es warum ich so unsterblich in dich verliebt bin: Diese Mischung. Du liebst mich und stößt mich fort. Du trägst mich auf Händen und nimmst mich so, wie du es brauchst. Du hältst mich fest umschlungen und verlässt mich danach.

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Montag, 10. September 2012

Die unperfekte Perfektionistin

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Perfektionismus ist (m)ein Fluch.
Es ist das ständige Gefühl nicht zu reichen, nicht gut genug zu sein.
Solang ich mich erinnern kann, steht mein Perfektionismus mir immer im Weg.
Das war schon seit ich 10 Jahre alt war so. In der Grundschule fiel mir noch alles zu. Ich war die Beste. (Ich versuche manchmal mich zu erinnern, ob meine Eltern mir Stolz gezeigt haben. Ich glaube nicht sehr oft. Vielleicht hat mich dieses "die guten Leistungen als selbstverständlich sehen" in diesen Perfektionismus gedrängt.)
Als dann die Oberschule kam, änderte sich alles... Auf der Eliteschule mit extra kurzer Schulzeit, da war ich mit meinem IQ von 124 nichts besonderes mehr, einfaches Mittelmaß... Nicht schlecht, nicht gut. Aber das reicht nunmal nicht mehr in unserer Gesellschaft. Früher war man mit einem Abitur noch der King, es standen alle Türen offen. Heute kriegt man mit einem eigentlich ja ganz gutem NC von 2,2 nicht mal mehr einen Studienplatz ohne Wartezeiten und Umzug in Arschlochstädte.
Wir leben in einer Gesellschaft, in der Ritalin und Burn-Out zum Alltag gehören wie das wechselnde Wetter. Und das alles nur, um am Ende einen mittelmäßigen Job zu bekommen in dem man doch nicht glücklich wird.
Und da sind wir wieder. Beim Mittelmaß.
Ich bin Mittelmaß. Wenn ich etwas mache, ist es nie gut genug, reicht nie aus, ist immer zu wenig - zumindest für mich selbst. Stolz auf Leistungen, die ich erbracht habe? Fehlanzeige.
Ich glaube ich bin wie einer dieser alten Dichter. Die manchmal Jahre an Werken und Tage an einem Satz saßen, bis er so perfekt war, dass sie damit zufrieden sein konnten. Darin finde ich mich ein wenig wieder. Aber diese Art von Perfektionismus wird nicht mehr wertgeschätzt in unserer Gesellschaft. Es geht um Konsum, Konsum, alles ist so schnell. Unsere Wegwerfgesellschaft. Wo bleiben die Künste? Die Wertschätzung für geistigen Reichtum?
Früher waren Philosophen hochangesehene Menschen, heute wird man nach einem Philosophiestudium höchstens Taxifahrer.
Ich kann alles ein wenig, vieles vermutlich auch besser, als manch andere, aber es reicht nie aus. Sobald ich merke, dass ich nicht die Beste bin und auch nicht sein werde, bekomme ich den starken Drang es einfach ganz zu lassen. Alles oder nichts. (Ist das nicht eigentlich ziemlich arm?)
Ich erinnere mich da zB an mein Ballett. Ich habe es geliebt, aber ich war nicht so talentiert, dass ich was damit hätte erreichen können. Also habe ich es wieder gelassen.
Ich erinnere mich an manche Prüfung. Ich habe gelernt gelernt, aber vermutet, dass ich eh nur eine 2 oder 3 schreibe. Also habe ich es gelassen, mich krank schreiben lassen.
Ich erinnere mich an meine Pläne abzunehmen, und wo hat mich mein Perfektionismus hingebracht? In die Uniklinik für Esstörungen, weil ich nicht nur dünn, sondern - wie ja immer - die Beste, also in diesem Fall die Dünnste sein wollte.
Der ewige Perfektionismus regiert mein Leben und lähmt mich in meinem Tun. Und ich kann (und will?) ihn nicht ablegen. Ich werde einen Weg finden müssen, wie ich mit ihm leben kann und vielleicht Nutzen aus ihm schlagen kann. Aber der Weg ist noch lang.
Und ich fange jetzt damit an, indem ich diesen Post veröffentliche, obwohl ich ihn doch schon wieder nur so mittelmäßig finde... (Und die Wahrheit ist, dass ich ihn 5 Min. später doch nochmal überarbeitet habe... :P Was für ein Versagen.)

Samstag, 8. September 2012

Vom Laster nicht Vergessen zu können.

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Jetzt bist du feiern. Alleine, 500 Km entfernt von mir, mit deinen Jungs. Bestimmt bist du betrunken, vielleicht noch auf Drogen. Und du schreibst mir um kurz nach Eins eine SMS, die Party sei der Hammer.
Toll. Ich sitze hier allein zu Hause, nach 2 Wochen am Stück mit dir. Ich fühle mich verdammt einsam und vermiss dich schon.
Ich würde dir gerne sagen, was ich denke, was ich fühle. Aber wenn ich das mache, bist du eh nur wieder genervt, vielleicht sogar sauer, weil du es nicht verstehen kannst. Es ist doch alles geklärt, vergeben.. Aber vergessen? Du sagst mir, ich sei dir zu wichtig, als dass das nochmal vorkommen würde... Aber was war damals? War ich dir da nicht wichtig genug?
Du würdest vermutlich nur sagen, ich soll nicht "eifersüchtig" sein, dabei ist es doch nur die Angst dich zu verlieren, dir nicht zu reichen.
Eigentlich möchte ich gar nicht mehr daran denken, aber es kommt automatisch alles wieder hoch. Jedes Mal, wenn du alleine weggehst und ich weiß, dass du trinken wirst. Ich muss einfach dran denken, an den einen Abend, der alles kaputt gemacht hat. Und das alles vor deinen Freunden, obwohl du doch schon mich hattest, und sie alle von uns wussten. Wie lächerlich du  mich gemacht hast.
Du warst betrunken, sehr betrunken... Entschuldigt es das? Ganz ehrlich, ich weiß es nicht. Irgendwie ein bisschen. (ist das dumm?) Scheiß Alkohol.
Es ist so leicht dir zu verzeihen, weil ich doch so verliebt in dich bin und du mir so toll erscheinst, mich immer wieder auf Händen trägst. Aber vergessen kann ich nicht, dazu hat es zu sehr geschmerzt.
All diese Gedanken mache ich mir, merke, dass ich die Tränen zurückhalten muss bei dem Gedanken an diese ganze Geschichte.
Und dann kommt deine SMS: "Das war ironisch. Ist voll kacke hier und ich bin Fahrer"
Und du sagst mir damit auf deine Art, dass ich mir keine Sorgen machen brauche. Und irgendwie ist dann wieder alles gut. Weil du du selbst bist. Und ich DIR vertraue.

Mittwoch, 22. August 2012

Was es heißt, verliebt zu sein.

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Lieber J.,
eigentlich schreib ich das hier, obwohl ich weiß, dass ich es dir eh nicht schicken werde. Aber irgendwie wollte ich meine Gedanken aufschreiben, weil sie in dieser Nacht so präsent waren.
Unser Gespräch über unsere Gefühle füreinander hat mich sehr beschäftigt, weil ich es sehr krass fand, dass du anscheinend nicht weißt, ob du verliebt bist, weil du nicht weißt, wie es sich anfühlt. Irgendwie denk eich auch, dass ich darüber vielleicht nicht so viel nachdenken sollte, aber ich zerdenke eben immer alles. Und ich frage mich jetzt einfach, ob es ein schlechtes Zeichen ist, dass du anscheinend nicht weißt, was Verliebtsein ist. Ob das wohl bedeutet, dass du es nicht bist? Oder ob du wohl einfach deine Gefühle nicht einordnen kannst....

Ich meine ich habe zu dir gesagt, dass man das halt merkt, aber auf die Frage, wie es sich denn anfühlt konnte ich dir irgendwie auch keine zufrieden stellende Antwort geben.
Aber auf dieser einen Party gab es zumindest ein Schlüsselereignis, was mir gezeigt hat, dass ich wohl sehr verliebt in dich bin!

Ich bin in diesem Club, im Keller... Es ist dunkel und die Musik wummert. Ich bin nüchtern, doch zugleich trunken vor Abenteuerlust, möchte Tanzen in Extase und auf Drogen, möchte Sex haben, wild, hemmungslos. Heute Nacht gehört mir die Welt und ich werde feiern, wie ich es schon lange nicht mehr konnte. Ich lasse mich von der Musik tragen und spüre es, ich kann sie alle haben. Den DJ, der schon zu lange nur mir beim Tanzen zusieht und den ich so anziehend finde, nicht nur weil er gut aussieht, sondern weil mit seinem Dasein als DJ das Abenteuer gerade zu an ihm klebt. Den Typ mit Seemannsmütze, ich hatte ihn in meinem Kopf schon lange Käptn Jack getauft, der seit Stunden immer in meiner Nähe tanzt und dessen Blick ich auf mir ruhend nahezu brennen spüre. Oh ja, ich bin heiß und in dieser Nacht bin ich mir dessen mehr als sonst bewusst. Doch egal, wie sehr es mich der Gedanke reizt, mit einem dieser Fremden zu verschwinden, eine neue Eroberung für meine Vitrine zu machen... Da bist immer nur du. Ich habe diese Gedanken und im gleichen Gedankenzug denke ich an dich, und wie sehr ich dich vermisse und dass ich eigentlich nur dich will und wenn du jetzt hier wärest... Wie schön es wäre mit dir liebestrunken Arm in Arm in diesem Keller zu den Bässen dieses verdammt heißen DJs zu schwanken. Und wenn du jetzt hier wärest, ich würde dir diesen Blick zu werfen, ich hätte nur Augen für dich. Weil du so unglaublich bist, mir den Kopf so verdrehst und mich so an dich bindest, mir Geborgenheit gibst.
Und eigentlich macht es mir Angst, dass du mich so bändigst. Doch es ist gut so. Denn es ist das, was es heißt, verliebt zu sein.


Montag, 13. August 2012

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Heute fahre ich nach langer Zeit endlich nach Hause.
Die letzten Wochen waren hart. Nicht nur der Prüfungen wegen, die mir all meine Selbstdisziplin abverlangten, sondern vor allem der Stadt wegen, die mir zeitweise das Gefühl gab in ihrer Grauheit und Engstirnigkeit zu ersticken. Und der Leute wegen, die sich als so intrigant, gehässig, missgünstig und hinterhältig entpuppt haben. Aber man lernt draus... Sich seine Freunde sorgfältiger auszuwählen. Und sich drei mal zu überlegen wem man vertraut und seine Zeit widmet.
Außerdem weiß ich jedes mal mehr zumindest wo ich nicht hingehöre.
Um so mehr freue ich mich auf meine Familie, meine wahren Freunde, meine Partys, meine Clubs, meine Nächte, meine Restaurants, meine Dönerbuden, meine Straßen, meine Hinterhöfe, meine Flohmärkte, meine Parks, meinen Garten, meine besonderen Orte... Mein zu Hause.
Mit Sack und Pack gut verschnürrt sitze ich im Zug neben einem betrunkenen jungen Typ, der seit 15 Minuten ununterbrochen "Here without you" singt und mir irgendwie zugleich Angst und Hoffnung macht, Richtung Glücklichsein <3